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Streikalarm! – Solidaritätsbrief an alle streikenden und protestierenden Amazon-Beschäftigten auf der Welt zum Prime Day 2019!

Amazon MSP warehouse workers together with Workers' Initative memeber from Poland together in Minneapolis holding the Polish stickers "Stop feedbacks" against high rates Amazon MSP warehouse workers together with Workers' Initative memeber from Poland together in Minneapolis holding the Polish stickers "Stop feedbacks" against high rates

Am 15. Juli ist Prime Day, der Höhepunkt des Sommerverkaufs bei Amazon. In den Amazon-Lagern in Polen bedeutet das eine 50-Stunden-Woche und möglicherweise neue Rekordzahlen von Sendungen nach Deutschland innerhalb von 24 Stunden. An dem Tag wird es Proteste, Kundgebungen und Streiks in verschiedenen Teilen der Welt geben. Der erste Streik wird in einen Amazon-Lager in Minneapolis/USA stattfinden, was uns alle freut und motiviert. Als Lagerarbeiterinnen und -arbeiter spüren wir die Solidarität, wenn wir hören, dass jener Streik von Arbeiterinnen und Arbeitern und auch Technikern aus dem Hauptquartier von Amazon in Seattle unterstützt wird! Von den Amazon-Beschäftigten in Deutschland haben wir gelernt, standhaft zu bleiben und durchzuhalten. Viele von ihnen sind in der Gewerkschaft oder im Betriebsrat aktiv und streiken bereits ab und an seit mehr als fünf Jahren. Dort wird am 15. und 16. Juli wieder an mehrere Standorten gestreikt, wie diesmal auch in Frankreich!

Arbeiterinnen und Arbeiter in Polen sind Teil dieser globalen Bewegung, die für die Würde der Beschäftigten kämpft, gegen Zeitarbeit, gegen das digitale Kontrollsystem und niedrige Löhne. Der Amazon-Boss Jeff Bezos, reichster Mann der Welt, schickt derweil Raketen in den Weltraum. Amazon-Beschäftigte in verschiedenen Ländern haben ähnliche Probleme und Forderungen: Wenn wir – wie in Minneapolis – auf unsere Transparente schreiben “Macht alle blau!”, bedeutet das: „Gebt allen feste Verträge!“ In Polen fordern wir “Stoppt das Rattenrennen!”, was gegen den Arbeitsdruck gerichtet ist. Wir unterstützen uns bereits seit einiger Zeit: Wir besuchen uns gegenseitig, um gemeinsame Probleme und Aktionen zu diskutieren, und seit 2015 haben wir zweimal jährlich ein Grenzübergreifendes Treffen von Amazon-Beschäftigten organisiert. Das nächste Treffen wird in Leipzig stattfinden, vom 27. bis 29. September 2019 – und alle Amazon-Beschäftigten sind eingeladen!

Amazon hört nicht auf die Stimmen der organisierten Beschäftigten. Egal in welchem Land, wir hören denselben Satz: „Wir ziehen es vor, direkt mit unsere Mitarbeitern zu kommunizieren.“ Wir hörten dieselben Banalitäten in den Gesprächen mit Vertretern von Amazon Polen. Wir wissen, wenn wir one-on-one mit Managern oder der Personalabteilung sprechen, setzt Amazon alle möglichen rechtlichen Tricks ein, verlässt sich auf unsere Abhängigkeit von Lohnarbeit und einem regelmäßigen Einkommen und setzt die Schwächsten unter uns unter Druck, damit alle Angst bekommen und sich nicht für Veränderungen einsetzen. Amazons Geschäftsmodell baut auf der ganzen Welt auf die Arbeit von denen auf, die wenige Rechte und Möglichkeiten haben: Zeitarbeiterinnen und -arbeiter, Beschäftigte aus kleinen Städten und Dörfern, Wanderarbeiter und -arbeiterinnen und Menschen mit Behinderungen. Amazon quetscht sie aus und heuert und feuert ständig, damit sich niemand von uns sicher fühlen kann.

Das muss sich ändern! Wir müssen zeigen, dass wir nicht allein sind. Etwa 600.000 Leute arbeiten zur Zeit bei Amazon auf der ganzen Welt. Einige von uns sind in Gewerkschaften aktiv oder in Betriebsräten, kooperieren mit Solidaritätsgruppen, oder verteidigen Kollegen und Kolleginnen vor Gericht. Andere arbeiten langsam oder machen krank, wenn die Arbeitsgeschwindigkeit nicht auszuhalten ist. Wir sind also nicht allein! Statt one-on-one mit Amazon müssen wir eine kritische Masse organisieren, welche die Ausbeutung, das verrückte Arbeitstempo und die unsicheren Beschäftigungsverhältnisse stoppen kann, denn wir sind es, die den Reichtum produzieren, den heute nur wenigen zugute kommt!

In Polen werden wir diese Bewegung weiter vorantreiben, indem wir ab dem 15. Juli eine Streikabstimmung durchführen. Die Entscheidung, so vorzugehen, wurde von den Gewerkschaften Inicjatywa Pracownica und Solidarnosc gemeinsam gefällt, nachdem Amazon unsere Forderungen während der Verhandlungen und der Schlichtung seit Mai 2019 nicht erfüllt hatte. Unsere Forderungen sind:

1. Angemessene Löhne für alle Beschäftigten. Wir fordern eine Erhöhung des Grundlohns pro Stunde auf mindestens 15 Zloty netto für alle Beschäftigten nach T1, gleiche Löhne in allen polnischen Lagern sowie regelmäßige Tarifverhandlungen über Löhne mit den Gewerkschaften. (Bisher verhandelt Amazon nicht über Löhne.)

2. Faire Bewertungen der Beschäftigten. Wir fordern eine Änderung der Arbeitsbestimmungen, einschließlich eines Stopps der Feedbacks, die endgültige Beendigung von Kündigungen aufgrund nicht erreichter Arbeitsvorgaben und Verhandlungen über eine neue Vorgehensweise mit den Gewerkschaften.

3. Stabile Arbeitsverhältnisse. Wir fordern direkte Verträge mit Amazon und ein Ende der Beschäftigung über Zeitarbeitsfirmen und von befristeten Verträgen.

Amazon hat die Schlichtung einseitig abgebrochen trotz unserer Bereitschaft, die Verhandlungen im Rahmen der Tarifauseinandersetzung fortzusetzen. Amazon hat uns wiederum informiert, dass sie die Gespräche fortsetzen würden, aber nur außerhalb der Tarifauseinandersetzung.

Amazon hat einfach Angst bekommen vor den formalen Möglichkeiten, die eine Tarifauseinandersetzung bietet, und vor der Tatsache, dass Arbeiter und Arbeiterinnen alle diese Möglichkeiten nutzen wollen. Deswegen hat Amazon von Anfang an versucht, die Tarifauseinandersetzung so schnell wie möglich zu beenden. Wir lassen uns nicht verarschen! Wir werden den nächsten Schritt machen und im Rahmen der Tarifauseinandersetzung eine Streikabstimmung organisieren. Andere Beschäftigte haben bereits Aufkleber in den Toiletten verklebt und im Internet den Slogan verbreitet: „Wir werden alle krankfeiern!“. Wenn wir solidarisch zusammenstehen, kreative Protestformen einsetzen und uns gegenseitig inspirieren, dann haben wir eine Chance Amazon niederzuringen, nicht nur in einem Land, sondern auf der ganzen Welt!

Die Streikabstimmung in Polen beginnt am 15. Juli in POZ1 bei Poznan, geht dann am 16. Juli in WRO1 und WRO2 bei Wroclaw weiter, und am 17. Juli in SZZ1 bei Szczecin und KTW1 in Sosnowiec (Katowice). Beschäftigte können auch online abstimmen. Da gegenwärtig 14.000 Leute bei Amazon Polen arbeiten, ist die Abstimmung momentan bis September geplant und wird evtl. noch verlängert. Das gibt uns die Möglichkeit, in den kommenden Monaten vor den Lagern in ganz Polen präsent zu sein, mit den Leuten Kontakt aufzunehmen und unseren Kampf weiterzutreiben.

Wir wünschen alle jenen, die am 15. Juli und danach Protestaktionen planen viel Mut und Kraft! Wir sind es, die durch unsere gemeinsamen Aktionen den Weg ebenen für eine neue Welt, die nicht von der grausamen Logik des Profits regiert wird, sondern von Prinzipien wie Gerechtigkeit und Solidarität über die Spaltungen in Lager, Berufe und Grenzen hinaus!

Inicjatywa Pracownicza/Arbeiterinitiative – Gewerkschaft bei Amazon Polen
14. Juli 2019
 

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